Stadtnachricht

FSJlerin im Rathaus


Freiwilligendienste besitzen eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Trotzdem stünden diese, nach Ansicht von Bürgermeister Marc Winzer, auch auf kommunaler Ebene viel zu wenig im Fokus.

Um die Bedeutung wieder etwas mehr in das Bewusstsein zu bringen, hat Winzer den Bundessprecher der Caritas-Freiwilligendienste Thorsten Moser zum Interview ins Rathaus der Stadt Hornberg eingeladen. Weitere Teilnehmer waren Anja Strittmatter, die Schulleiterin der Wilhelm-Hausenstein-Schule, sowie Nesibe Daglar, die an selbiger Schule derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr leistet. Hintergrund für das Gespräch waren die drohenden finanziellen Kürzungen für freiwilligen Dienste, sowie eine mögliche Verschiebung von freiwillig hin zur Pflicht. Darüber, dass freiwillig etwas ganz anderes als Pflicht sei, herrschte bei allen Anwesenden große Einigkeit.

Thorsten Moser nutzte die Chance um zu verdeutlichen, was für eine wichtige Rolle diese Kräfte im sozialen Bereich spielen und auf welch‘ falschem Weg sich die Politik mit den im Raum stehenden Änderungen befindet. Vor allem der finanzielle Aspekt sei ein großes Problem, da sollte die Politik ihre Pläne umsetzen, da viele ein FSJ schlicht nichtmehr leisten könnten und somit direkt in eine Berufsausbildung starten müssten.

Im Falle der Wilhelm-Hausenstein-Schule würde ein Wegfall der FSJ Stelle bedeuten, dass sowohl die von Daglar selbst gegründete Lese-AG, als auch eine Person wegfallen würde, die sich auf ganz andere Weise den Kindern annehmen kann, als die bereits ausgelasteten Lehrkräfte.

Dem folgend erklärt Moser, dass man sich mehr Wertschätzung für das Engagement wünsche. Dazu gehöre auch ein ausreichender finanzieller Ausgleich. Die 400 € würden in manchen Fällen zwar gerade reichen, jedoch nur wenn die FSJlerin, wie in Daglars Fall, noch bei ihrer Familie lebe. Dadurch käme ein FSJ vor allem für Personen aus einkommensschwachen Familien gar nicht erst in Frage.

All das ist gerade in Hinsicht auf den Fachkräftemangel alles andere als wünschenswert. Gerade wenn man in Betracht zieht, dass 50 % der FSJlerinnen nach dem Jahr auch einen Beruf im sozialen Bereich ergreifen. Auf die abschließende Frage an Winzer, wie er den Pflichtdienst sehe, antwortet dieser: „Es ist die einfachere Variante günstiges Personal an Brennpunkten einzusetzen. Meiner Meinung nach ist das nicht zielführend.“

FSJlerin

Von links: Nesibe Daglar (FSJlerin Wilhelm-Hausenstein-Schule Hornberg) Anja Strittmatter (Schulleiterin Wilhelm-Hausenstein-Schule), Marc Winzer (Bürgermeister Stadt Hornberg), Thorsten Moser (Bundessprecher der Caritas-Freiwilligendienste), Foto Quelle: Stadtverwaltung Hornberg

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